Wassermethode für Sternenkinder

Begrüßung und Abschied von Sternenkindern durch die Wassermethode erleichtern


Wenn Eltern vor der unermesslich großen Aufgabe stehen, ihr verstorbenes Baby zu begrüßen und gleichzeitig zu verabschieden, ist die Wassermethode eine liebevolle, sanfte Unterstützungsmöglichkeit. Die Fotografin Susanne Krauss von @geburtsfotografiemuenchen beschreibt:

"Wenn ein Baby, egal in welcher Woche, tot zur Welt kommt, wird es allgemein in der Zeit, die es nicht bei den Eltern ist, in die Kühlung gelegt, um den Vergänglichkeitsprozess zu verzögern. Die Kühlung verhindert jedoch leider nicht, das besonders die zarten Körper viel zu früh geborener Babys (bedingt durch die sehr dünne und empfindliche Haut) schnell austrocknen und die ursprüngliche Form verlieren.

Die eigentlich rosige Haut wird außerdem dabei oft sehr dunkel. Gerade bei Sternenkindern, die in sehr frühen Wochen geboren werden, passiert dies oft bereits nach wenigen Minuten.

Werden die Kinder jedoch so zeitnah wie möglich ins Wasser gelegt, das quasi das Fruchtwasser ‚ersetzt' wird dieser Prozess gestoppt, bzw. sogar wieder teilweise rückgängig gemacht.

Ein großer Vorteil dieser einfachen Methode: Sie ist sehr einfach und unkompliziert anzuwenden.

Man braucht nur einen Behälter, in dem das Kind frei im Wasser liegt, beispielsweise eine größere Schüssel) und am besten kühles Leitungswasser. Mehr nicht! Für die Eltern oft tröstlich: Das Kind darf (fast) in seine "gewohnte Umgebung" zurück.

Berührungen sind durch das Wasser viel sanfter, die Schwerelosigkeit verhindert Druck an besonders zarten Körperstellen.

Sowohl das dadurch lebensnähere Aussehen, als auch die Möglichkeit einer Berührung ohne(!) eventuelle Verletzungen des Kindes vereinfacht es den Eltern, sich ihrem Kind so zu nähern und auch für Geschwisterkinder ist es eine gute Möglichkeit, das kleine Baby so ‚unversehrt' sehen zu können und auch berühren zu dürfen. Das Kind kann auch immer wieder herausgenommen werden und gekuschelt, gehalten und vorsichtig eingewickelt werden, wenn Eltern oder Geschwister das Bedürfnis haben."

Wie wende ich die Wassermethode richtig an?

Bitte befüllt das Gefäß soweit, dass das Baby komplett von Wasser umgeben ist. Wichtig dabei: Lasst das Wasser einfließen, bevor ihr das Kind hineinlegt, oder richtet den Wasserstrahl vorsichtig neben das Baby, damit die zarte Haut nicht unnötig strapaziert wird. Bei diesem ersten 'Bad' wird sich das Wasser durch die Reste von Blut, Plazentagewebe oder auch Käseschmiere noch verfärben/eintrüben. Wartet ein wenig, damit sich diese Reste lösen können und wiederholt den Vorgang ggf. mehrmals, bis das Wasser klar ist. Das Sternchen kann auch vorsichtig aus dem Wasser genommen, das Wasser gewechselt und das Kind danach wieder hineingelegt werden.

Einer der großen Vorteile der Methode in frühen Wochen: Die Haut wird sauberer und sie klebt nicht, daher reißt sie auch nicht so leicht. Die Eltern müssen weniger Sorge haben, ihr Kind durch Berührung noch zusätzlich zu verletzen. Und: Je länger ein Baby im Wasser liegen darf, desto mehr 'erholt' es sich, wenn das Wasser wirklich kühl ist und das Baby so früh wie möglich ins Wasser kommt. Das schreckt manche Eltern ab, denn sie wollen nicht, dass ihr Kind kalt liegen muss. (Was es aber in der Kühlung ja ebenfalls tut). Ich rate Klinikpersonal und Hebammen daher gerne, das Baby in ein handwarmes Wasser 'umzubetten' wenn es bei den Eltern sein darf.

Auch wenn nicht sofort ein Fotograf zur Stelle ist, ist das Wasser hilfreich: Das Baby ist auch nach mehreren Stunden kaum verändert, sofern das Wasser kühl bleiben darf und das Baby, so schnell es möglich war, hinein gelegt wurde. Man kann bspw. zusätzlich noch Kühlpacks mit ins Wasser legen.

Sollte noch eine Obduktion stattfinden, muss mit der jeweiligen Abteilung individuell geklärt werden, ob die Wasserlagerung möglich ist, in aller Regel spricht nichts dagegen.

Das Baby sollte aber wieder in ein trockenes Tuch gewickelt werden, wenn es in die Pathologie gebracht wird.

Welches Gefäß ist für die Wassermethode geeignet?

 

Das mag angesichts der Dramatik vielleicht unpassend scheinen, aber ist doch wichtig, denn es soll ja schön anzusehen und das Kind so würdevoll wie möglich gebettet sein. Am besten eignen sich weiße oder Glasgefäße, da sie dem Baby die natürliche Farbe lassen und nicht auf die Haut 'abstrahlen', die Eltern es (bei Glas) außerdem zusätzlich besser ansehen können.

Ganz wichtig bei Glas: Die Wände müssen gerade und glatt sein, da ein rundes Gefäß die Ansicht extrem verzerrt! Ich arbeite persönlich mit zwei kleinen Aquarien, um dem Kind einen würdevollen, sicheren Platz zu ermöglichen (siehe Bild, das größere Aquarium ist allerdings nicht abgebildet).

Es darf auch gern eine schöne Keramikschüssel oder breite Vase sein, sofern man mit den Händen gut hineinfassen kann. Wenn die Eltern wissen, dass sie ihr Kind verloren haben, und bis zur Geburt noch Zeit ist, kann z.B. auch das Bemalen eines geeigneten Gefäßes eine Möglichkeit zur Trauerbewältigung sein. Wie bereits erwähnt, muss aber immer die Möglichkeit gegeben sein, dass das Baby liegt und der Körper vollständig mit Wasser bedeckt ist.

Die Größe des Gefäßes richtet sich nach der zu erwartenden Größe des Kindes: Faustregel: Die SSW + 3 cm entspricht zwischen der 12. und 20. SSW ca. der Größe des 'idealen' Behälters. Beispiel: Ein Baby, das in der 15. Woche geboren wurde passt in einen Behälter, der ca. 15 + 3 cm (also 18 cm) Durchmesser hat. Die Höhe des Behälters sollte 15 - 16 cm grundsätzlich nicht unterschreiten. Ab der 20.-25.SSW braucht man einen Behälter mit ca. 30-38 cm Durchmesser und ca. 20 cm Höhe. Ab der 26. Woche ist tatsächlich eine kleine Babybadewanne eine gute Möglichkeit, das Baby sicher und geborgen zu betten.

Der positive Effekt der Wassermethode ist leider mit zunehmendem Alter der Kinder nicht mehr ganz so stark spürbar, lohnt sich aber (gerade bzgl. eventueller Hautläsionen) auch noch bei einem reif geborenen Sternenkind.


Text und Bilder stammen von Susanne Krauss, die sich in München als Sternenkindfotografin engagiert und sich sehr für die Wassermethode einsetzt


Für Fachpersonal, die Eltern rund um die Geburt betreuen, bieten wir regelmäßig Vorträge, Fortbildungen oder Inhouse-Schulungen an.  Gerne kommen wir auch zu Ihnen in die Einrichtung.